2007-10-15

Aus Regenwasser werden tropische Sturzbäche

Von fstadelmann @ 19:10 [ Default ]

Die diesjährigen Madagaskar-Tage im Zoo Zürich stehen im Zeichen des Wassers Tropischer Regenguss in der Masoala-Halle 
Wie aus gewöhnlichem Zürcher Wasser tropischer Regen wird, können Zoo-Besucher an den vierten Madagaskar-Tagen erleben.

Zweimal pro Woche regnet es in der Masoala-Halle. Wie aus gewöhnlichem Zürcher Wasser tropischer Regen wird, können Zoo-Besucher an den vierten Madagaskar-Tagen erleben.

bai. In der Masoala-Halle ist Regen bis anhin nur morgens gefallen, wenn keine Besucher zugegen waren. Dies war gestern Mittwoch anders. Kurz vor der Mittagszeit sind zahlreiche Anwesende von einem Nieselregen überrascht worden. Dieser entwickelte sich nach wenigen Minuten zu einem Platzregen mit Sturzbächen. Kein Wunder, denn während der 20-minütigen Demonstration vor den Medien wurden 55 000 Liter Wasser via Leitungen in die Halle gepumpt. Die Verantwortlichen des Zoos zeigten, wie sie das für die Tiere lebenswichtige Klima herstellen. Ab Freitag können alle Zoo-Besucher auf Führungen zum Thema «Zyklone in Madagaskar» erleben, wie sich ein tropischer Regen anfühlt.
Zoo-Techniker André Lienhard erklärte, wie die Beregnung der Anlage abläuft. Gewöhnliches Regenwasser fliesst vom Kunststoffdach der Halle mit einer Fläche von 11 000 Quadratmetern in Schächte und wird in Tanks mit 500 000 Litern Fassungsvermögen gesammelt. Anschliessend wird es aufbereitet. Zuerst kommt es in einen Sand-, dann in einen Aktivkohlefilter, schliesslich werden Keime abgetötet.

Zweimal wöchentlich Regen
Die Halle wird durchschnittlich zweimal pro Woche mit 18 Grad warmem Wasser beregnet. Fällt in Zürich lange kein Regen, müssen die Techniker der Beregnungsanlage auf Leitungswasser ausweichen, das vor der Anwendung entkalkt wird. Das Ökosystem der Masoala-Halle ist demjenigen des Masoala-Parks im Norden von Madagaskar nachempfunden, der dieses Jahr zum Unesco-Weltnaturerbe ernannt wurde. Im madagassischen Regenwald ist 90 Prozent Luftfeuchtigkeit normal. Im Zürcher Regenwald liegt diese bei 80 Prozent, da im Unterschied zum Masoala-Park hier kein Wind weht und somit weniger Feuchtigkeit verdunstet.

Auf rund 11 000 Quadratmetern leben in Zürich 42 Tierarten, für die Wasser Lebenselixier ist. Darunter ist auch das sogenannte Panther-Chamäleon, das die Besucher gestern Mittwoch mit etwas Glück zwischen all dem Grün entdecken konnten.

Hilfsprojekte des Zoos in Madagaskar
An der Medienkonferenz war ein Mitarbeiter der madagassischen Botschaft zugegen, der über die Rodung des Regenwalds auf der Insel informierte. Der Zoo Zürich führt im Masoala-Park diverse Hilfsprojekte durch, um die Rodung zu bekämpfen. So werden 18 000 Dollar in Bewässerungsprojekte investiert. Das Ziel des Zoos Zürich ist es, vom Trockenreis-Anbau auf ein künstliches Bewässerungssystem für Nassreis umzusteigen. Damit wird weniger Boden gerodet. Im Winter wird mit dem Bau eines Info-Zentrums zum Regenwald begonnen. Rübel betonte, wie wichtig es sei, die Bevölkerung über den Wert des Regenwaldes zu informieren.

In der Masoala-Halle des Zoos Zürich finden von Freitag, 12. Oktober, bis Sonntag, 14. Oktober 2007, die Madagaskar-Tage statt. An diesen Tagen findet jeweils um 15 Uhr 30 eine Führung zum Thema «Zyklone» mit tropischem Regen statt. Es empfiehlt sich, einen Regenschirm mitzubringen. Zudem wird das Land mit Musik, Handwerk und madagassischen Gerichten vorgestellt.
NZZ, 11. Okt 2007


2007-06-14

Alles dreht sich um Rinder

Von fstadelmann @ 12:21 [ Default ]

Die Zebus bringen Ansehen
 
Das Hirtenvolk der Bara bewohnt den Süden Mittel-Madagaskars. Hier bemisst sich die Grösse eines Menschen, eines Clans, eines Dorfes nach der Anzahl der Rinder.

Die Bara gehören der Malgasch-Rasse an. Sie stehen den Afrikanern sehr nahe. Ihr Name soll von Begriffen herrühren wie «schön, gross, erhaben». Man schätzt ihre Zahl auf 300000. Sie leben in einem Umkreis von 60000 Quadratkilometern.
Die Bara leben als Halbnomaden. Oft bilden sie so etwas wie «Kleinkönigreiche». Ihr Glaube ist ein traditioneller Animismus.
 
Rinderstehlen
Die Zebu-Rinder (vgl. Kasten) bedeuten für die Bara nicht in erster Linie einen Geld-wert. Sie bilden vor allem die Grundlage für ihr Ansehen. Gleichzeitig sind sie Ursache zahlreicher und schwerwiegender Auseinandersetzungen innerhalb und ausserhalb des Clans.
Der alteingesessene Sport des «Rinderstehlens» als Zeichen echter Männlichkeit und als Übergangsritus ins Erwachsenenalter hat sich zum Banditentum entwickelt. Er bildet ein sozio-ökonomisches Problem, das ihr Gemeinwesen untergräbt.
   
Sozialer Wandel
Die Bara sind heute gezwungen, eine tief greifende soziale Veränderung vorzunehmen. Denn die Autorität der Alten und der weisen Greise beruht ja ausschliesslich auf der Grösse ihres Viehbestandes. Da allein sind sie Herr und Meister.
Die Jungen – und aus ihnen bestehen die bewaffneten Banden – begreifen, dass diese Grundlage der Macht auf Dauer keinen Bestand haben kann. Diese Jugendlichen, die sich von der patriarchalen Autorität nichts mehr sagen lassen, verfügen durch den Verkauf der gestohlenen Rinder oft über erhebliche Geldmittel. Darum erliegen sie mehr und mehr der Gefahr des Konsumismus.  

1000 Rinder  
Bei unserer Ankunft auf dem Flughafen waren 1000 Rinder auf der Flugbahn. Polizei und Respektspersonen hatten alle Mühe, zum Rechten zu schauen. Voraus ging ein Polizeiangriff auf ein nahes Dorf, wo Rinder gestohlen wurden. Bei der Auseinandersetzung hatte es Tote gegeben.
Mit solchen Situationen befasst sich auf Diözesanebene auch die Organisation «Justitia et Pax/Gerechtigkeit und Friede». Die Ortskirche ist herausgefordert, Stimme der Armen und der schweigenden Mehrheit zu sein, damit diese sich verteidigen und organisieren können.  
Rinder als Opfertiere
Die Zebus sind auch sehr wichtig als Opfertiere, besonders bei den Zeremonien für das «Zurückkommen der Toten». Da werden die Gebeine der Verstorbenen gewaschen, in der Sonne getrocknet und ins Familiengrab gelegt.
Auch wenn man für die Fruchtbarkeit einer Frau um neues Leben bittet, bringt man ein Rind als Opfer dar. Geopfert wird auch beim Gebet für die Gesundheit der Kinder und Grosskinder: «Wir bringen ein Rind herbei. Es muss sein Leben lassen, damit meine Kinder nicht krank werden und damit auch ich gesund bleibe.»  
   
Strenge Regeln
Das soziale Verhalten der Bara ist sehr streng strukturiert. Das Individuum, die Einzelperson, so wie wir sie verstehen mit ihrer Eigenverantwortlichkeit, existiert überhaupt nicht. Der Einzelne gilt nur etwas in seiner Beziehung zum Gesamten: zum Dorf, der erweiterten «Familie».
Auch ihre individuelle Verantwortung übt eine Person nur aus in ihrer Beziehung zu anderen, vor allem zum Familienoberhaupt, zum Patriarchen. Der Einzelne wird nur anerkannt, insofern er seinem Platz in der Gesellschaft gerecht wird und so ihren Willen ausführt.
Es gibt keine anderen Bezugspunkte. Ein Mensch ausserhalb seiner Verwandtschaft ist nicht mehr ins Gesamte eingebunden. Er ist ein «Toter».
Die Verwandtschaft allein vereint Menschen in ihrer jeweiligen Gruppe und weist ihnen ihren Platz und ihren Stand zu. Sie gibt ihnen den Namen, das Recht auf Zuwendungen und Güter, vor allem den Viehbestand.
Sie regelt auch das Verhalten Verwandten gegenüber, schreibt Essensregeln vor, bestimmt den Sprachgebrauch, die Heiratsriten sowie die Beziehungen zum Schöpfer und zu den Ahnen.  

Christentum
Das Christentum wächst und wächst bei den Bara. Vor allem die katholische Kirche breitet sich aus.
Kann das Christentum die Einstellung zum Rind mit seinen problematischen Folgen ändern, wenn es das Gesunde und Gute in dieser Kultur anerkennt? Würde die Bekehrung nicht riesige Umstellungen und Änderungen auf allen Gebieten der Gesellschaft mit sich bringen?
Auf jeden Fall: Nur wenn die Kirche sich intensiv mit der Kultur dieses Volkes auseinandersetzt, wird seine Evangelisierung gelingen.




aus www.kapuziner.org

Das Zebu
Das Zebu oder Buckelrind ist ein im Bereich des indischen Subkontinents domestiziertes Hausrind, das vor allem im tropischen und subtropischen Klima gehalten wird. Es ist wesentlich besser an das dortige Klima angepasst, aber auch weniger züchterisch bearbeitet worden als das europäische Hausrind.
Quelle: wikipedia


2007-03-13

Lufthansa Consulting restrukturiert Air Madagascar

Von fstadelmann @ 07:52 [ Default ]

ANTANANARIVO (dpa) - Auf der viertgrößten Insel der Welt hat sich die einst flügellahme Air Madagascar dank deutscher Hilfe zu neuen Höhenflügen aufgeschwungen. Nach einer schweren politischen Krise mit einem rund halbjährigen Generalstreik im Jahre 2002 hätte niemand mehr nur einen einzigen Euro für diese 1962 gegründete Linie gegeben, die mit einem Schuldenberg von 40 Millionen US-Dollar eine finanzielle Bruchlandung hinter sich hatte.

Doch die Lufthansa Consulting (Köln) durchleuchtete das Unternehmen 2002 und arbeitete einen Restrukturierungsplan aus, der nicht nur dem deutschfreundlichen Staatspräsidenten Marc Ravalomanana gefiel.

Die Gläubiger verzichteten auf einen Großteil der Schulden. Zehn Millionen Dollar zahlte die nationale Fluglinie aus den Gewinnen in drei Jahresraten ab. Inzwischen ist der Vertrag mit dem deutschen Beratungsunternehmen zum zweiten Male verlängert worden. Ulrich Link ist schon der dritte deutsche Generaldirektor bei der staatlichen Air Madagascar. Es ist seine Aufgabe, für eine Konsolidierung zu sorgen, die zukunftsgerichtete Flottenpolitik den Gegebenheiten anzupassen und eine schlagkräftige Vertriebseinheit aufzustellen, um das nun kerngesunde Unternehmen «Air Madagascar» noch besser auf dem internationalen Markt verkaufen zu können.

Link: «Wenn unsere Aufgabe beendet ist, dann wollen wir dem Land eine Fluglinie zurückgeben, auf die die Menschen stolz sein können. Die Mitarbeiter können dann auch ohne uns auf einem soliden Grundstock aufbauen und vernünftig arbeiten.» Der in Fulda geborene Wahlmainzer drückt Begeisterung darüber aus, in seinem Job tagtäglich etwas gestalten zu können.

Air Madagascar hat die Passagierzahlen von 266 033 im Jahre 2002 auf 606 031 in 2006 und das Frachtaufkommen von 3374 auf 4323 Tonnen steigern können. Zwölf Flugzeuge, darunter zwei Boeing 767 und zwei Boeing 737-300, stehen derzeit für die wöchentlichen 18 Langstreckenflüge nach Paris, Milan, Bangkok (ab März auch noch Marseille), die 52 regionalen (La Reunion, Mauritius, Komoren, Südafrika, Kenia und Mayotte) und die 435 Inlandsflüge zur Verfügung.

Wenn Ulrich Link an die ersten Arbeitstage als fliegender Entwicklungshelfer in exotischer Umgebung denkt, gerät er noch nachträglich ins Schwitzen. Ein Flugzeug hatte einen Motorschaden, was in der nun 45-jährigen Geschichte des Unternehmens noch nie vorgekommen sei; kurz darauf musste das angespannte Verhältnis mit den streikbereiten Piloten bereinigt werden. Link: «Das war meine Feuertaufe. Von der ersten Minute an musste ich operationsbereit sein.» Fünf Direktoren und rund 1450 Beschäftigte bilden mit dem sprachbegabten 49-jährigen Deutschen das Team bei Air Madagascar.

Der Diplom-Ingenieur für Chemische Technik und Diplom-Kaufmann, der gegen Ende seines Studiums in Aachen eine Französin heiratete, kann sich auf neue Kulturkreise und unterschiedliche Mentalitäten schnell einstellen. In Madagaskar lasse es sich sehr gut leben, exotische Speisen und Getränke seien ausgezeichnet. Doch die aus Deutschland bekannte Vielfalt an Wurst- und Brotsorten fehlt ihm. Link: «Wenn ich aus dem Urlaub in Deutschland mit 50 Bratwürstchen im Koffer nach Madagaskar zurückkomme, löst das bei Grillabenden mit einheimischen Freunden wahre Begeisterungsstürme aus.»

aero.de 13. März 2007 


2007-02-01

Deutsches Eis und Sauerbraten

Von fstadelmann @ 10:16 [ Default ]

Der gebürtige Magdeburger Horst Pichler ist beileibe kein „eiskalter Typ“ – auch wenn er sich in der Nähe von Gefrierschränken ausgesprochen wohl fühlt. Vor rund 20 Jahren hat es den 66-jährigen gelernten Instrumentenbauer, Leichtmatrosen und Textilingenieur auf die von Legenden verklärte Tropeninsel Madagaskar verschlagen. Der Deutsche mit dem Drang in die Ferne hat dort Anker geworfen und seitdem ein Mekka für Schlemmer und Feinschmecker geschaffen. Denn in Madagaskars Hauptstadt Antananarivo, wo es nicht nur wegen des Klimas auch beruflich für ihn heiß hergeht, beschäftigt sich der Magdeburger heute fast nur noch mit kühlen Schleckereien.   

Seit 1990 pilgern Einheimische und Ausländer in den Stadtteil Ankadikely Ilafy, um im „Salon Bettina“ bei Pichler und seiner Familie erfrischendes Nougat-, Apfelstrudel-, Bananen-, Erdbeer- oder auch Pfefferminzeis „made in Germany“ zu schlecken. Nebenan in seiner Kneipe „Alt München“ können sie zudem seit zwei Jahren Schlachtplatte mit Sauerkraut, Eisbein, Weißwurst und Sauerbraten genießen. „Ich koche auch gegen das Heimweh an“, bekennt der Weltenbummler, der zuvor in den afrikanischen Staaten Togo, Senegal und Tansania zu Hause war.

Der Zufall machte ihn zum Eismann
"Zum Beruf des Eismanns bin ich gekommen wie die Jungfrau zum Kind“, gesteht Pichler. Bei einem Kurzaufenthalt in Deutschland lernte er in Coesfeld (Nordrhein-Westfalen) ein Ehepaar aus der Eiscremebranche kennen, das sich zur Ruhe setzen wollte. Hobbykoch und -bäcker Pichler machte einen Schnellkurs in der Speiseeisherstellung, packte die gesamte Ausstattung des Salons vom Löffel bis zur Kühltheke in einen Container und ab ging´s auf die Gewürzinsel. Vanilleeis ist dort der absolute Renner – kein Wunder in der Heimat der Vanille.

Bisweilen muss Pichler über die Bestellungen der Kundschaft schmunzeln. Mitunter würden von Hotels keine geschmacklichen Vorgaben gemacht, sondern nur grünes, gelbes oder auch rotes Eis für ein Buffet geordert. 200 Liter der kühlen Köstlichkeit quer durch die Geschmacksrichtungen werden in der Hauptsaison pro Tag vom Chef angerührt. Das Geschäft mit der süßen Schleckerei hat mittlerweile Abnehmer bis in die höchsten Kreise der Politik: Selbst die Mitglieder der Regierung sind Stammkunden im „Salon Bettina“.

23. Januar 2007  www.focus.de/reisen/urlaub/madagaskar_nid_43045.html


2007-01-14

Neue Fledermaus-Art auf Madagaskar beschrieben

Von fstadelmann @ 11:22 [ Default ]

 

Amerikanische Zoologen haben auf Madagaskar eine neue Fledermaus-Art beschrieben, die auf der Insel vor der Ostküste Afrikas in umfangreichen Beständen heimisch ist. Das Vorkommen von mehreren tausend Fledermäusen dieser Art bilde einen erfreulichen Gegensatz zum sonst in der Natur zu beobachtenden Artenschwund, sagte Bill Stanley von der Säugetierabteilung des Field-Museums am Sonntag in Chicago.

Die neue Fledermaus wurde nach dem Hamburger Biologen Harald Schliemann benannt und trägt den wissenschaftlichen Namen Myzopoda schliemanni. Sie gehört zur Familie der Madagassischen Haftfledermäuse (Myzopodidae), mit der sich Schliemann eingehend beschäftigt hat. Bislang wurde angenommen, dass diese Familie nur aus einer Art besteht, nämlich Myzopoda aurita. Jetzt stehe fest, dass die Haftfledermäuse auf Madagaskar nicht so gefährdet seien wie bislang vermutet, sagte Stanley.

Der ebenfalls am Field-Museum tätige Forscher Steven Goodman hat die etwa zehn Zentimeter große Schliemann-Fledermaus bereits 2003 entdeckt. Seitdem wurden sie eingehend daraufhin untersucht, ob es sich wirklich um eine eigenständige Art handelt. Die Ergebnisse wurden in der jüngsten Ausgabe der Fachzeitschrift «Mammalian Biology» (Zeitschrift für Säugetierkunde) veröffentlicht.

Die Madagassischen Haftscheibenfledermäuse haben Saugnäpfe an den Enden ihrer Gliedmaßen, mit denen sie sich an Pflanzen mit breiten Blättern festhalten können. Diese Eigenschaft haben sie mit den Amerikanischen Haftscheibenfledermäusen (Thyropteridae) gemeinsam, die in Mittel- und Südamerika leben.


«Leih mir mal ein Buckelrind»

Von fstadelmann @ 11:21 [ Default ]
Französischer Pilot gründete einzigartige Zebu-Bank

Antananarivo/dpa. In einer der ungewöhnlichsten Banken der Welt dreht sich fast alles ums Buckelrind (Zebu). Der französische Pilot Stéphane Geay gründete 1996 die «Zebu Overseas Bank» in Madagaskars Edelsteinmetropole Antsirabe. Im Hochland der vor Afrika gelegenen Tropeninsel, 170 Kilometer südlich der Hauptstadt Antananarivo, bietet sie eine geradezu tierisch geniale Dienstleistung.

Zu den rund 1700 Geldgebern gehören Franzosen, Schweizer, Dänen, Belgier, Italiener, Portugiesen, US-Amerikaner sowie über 100 Deutsche aus Hamburg, München, Dortmund, Magdeburg, Berlin und weiteren Städten. Auch etliche im Ausland lebende Madagassen haben bereits in ein Zebu investiert, das seit jeher als Arbeitstier und Statussymbol auf der Insel einen hohen Stellenwert besitzt.

Das Bankgeschäft funktioniert ähnlich wie der Kredit-finanzierte Kauf eines Neuwagens: Aus einem Umkreis von gut 100 Kilometern um Antsirabe kommen Madagassen zur Bank und kaufen ein Zebu auf Kredit. Besonders gefragt sind zweijährige weibliche Tiere, die auf dem örtlichen Markt erworben und auf einer bankeigenen Farm tierärztlich untersucht werden. Ein Zebu kostet zur Zeit 800 000 Ariary - rund 300 Euro. Ein ferner Geber finanziert den Kauf des jeweiligen Zebus.

Eine Kuh, die zwischen drei und 15 Liter Milch pro Tag gibt, schlägt mit 600 Euro zu Buche, eine Milchkuh mit höherer Leistung (ab 15 Liter aufwärts) mit 1200 Euro, ein Schwein mit 100 Euro. Der Vierbeiner wird dann von der Bank der madagassischen Familie (pro Person gibt es maximal ein Tier) oder dem Antrag stellenden Dorf übergeben. Pro Monat müssen die Halter einen festgelegten Betrag an die Bank zurückzahlen. Milch und Kälber dürfen sie behalten. Die neuen Besitzer haben also neben der Arbeitskraft des Tieres auf den Reisfeldern oder als Zugtier noch eine zusätzliche Einnahmequelle.

Die Madagassen können so innerhalb von zwei bis drei Jahren den wertvollen vierbeinigen Hausgenossen komplett abbezahlen. Die Warteliste von Familien, die ein Zebu wünschen, ist groß: bis zu 20 melden sich pro Monat. Die Bank zahlt den Einkaufspreis nach zwei Jahren in der Landeswährung Ariary mit 1,5 Prozent Zinsen an die Geldgeber zurück. Sollten diese den Betrag nicht innerhalb von fünf Jahren abrufen, fließt er in ein neues Projekt. So mancher Geldgeber kommt aber selbst auf die Insel, um sich «sein» Zebu anzuschauen und dabei gleich das eingesetzte Geld für den Urlaub zu verwenden.

Die Investoren aus Europa und anderswo erhalten ein Foto ihres Tieres und ein Kaufzertifikat. Darüber hinaus besteht die Chance, mit Hilfe des «Zebu-Briefes» per Internet (www.zob-madagascar.org) oder Mail (contact@zob-madagascar.org) Kontakt zur Bank zu halten. «Ein Zebu ist ein ideales Geschenk von und für Menschen, die glauben, sie hätten bereits alles im Leben erreicht und erhalten», heißt es im Informationsschreiben. «Jedoch für diese Menschen könnte es eine besondere Freude sein, so ein edles Tier wie ein Zebu zu besitzen, das sogar nach Ihnen benannt werden kann», betont Geay.

Aus Deutschland haben schon etliche Privatpersonen und Gruppen ein Zebu finanziert. So grast bei Antsirabe das Buckelrind «Frieden« eines Idar-Obersteiner Ehepaares neben «Luna» von der Klasse 7b des Staatlichen Gymnasiums Kirn; «Bilaba» von der Belegschaft der Birkenfelder Landesbank weidet neben «Lützelsoon» vom Förderverein «Lützelsoon - Hilfe für Kinder in Not» in Hennweiler; und die «Paula» eines Ehepaares aus Ludwigshafen lässt es sich neben «Lisa» einer Elterninitiative aus Meckenbach und «Janitza» von der Niederlausitz-Grundschule im Berliner Stadtteil Kreuzberg munden.

mz-web.de  10. Januar 2007 



2007-01-13

Malaria-Wirkstoff aus der Natur auf Madagaskar entdeckt

Von fstadelmann @ 11:58 [ Default ]

Nur in den östlichen Regenwäldern der Insel wächst eine Pflanze, die von Bewohnern seit Generationen gegen Malaria eingesetzt wird. Die Krankheit ist die häufigste Todesursache der Welt.

Antananarivo/Madagaskar - Aus einer Pflanze, die von Bewohnern Madagaskars seit Generationen zur Behandlung von Malaria eingesetzt wird, haben Wissenschaftler ein gegen den Krankheitserreger wirksames Molekül isoliert. Die Pflanze mit dem lateinischen Namen strychnopsis thouarsii kommt nur in den östlichen Regenwäldern Madagaskars vor und enthält das einzige bislang entdeckte Molekül, das den Erreger bereits im ersten Infektionsstdium bekämpft, wie Philippe Rasaonaivo vom Institut für angewandte Forschung in Madagaskar erklärte. Die meisten Medikamente wirken erst, nachdem der Erreger den Blutkreislauf erreicht hat.

„In ein oder zwei Jahren werden wir wahrscheinlich sagen können, dass dies eine wichtige Entdeckung für Afrika im Kampf gegen Malaria sein könnte“, sagte Rasanaivo. Auch Jaya Banjerji, Sprecher der Schweizer Hilfsorganisation Medicines for Malaria Venture, äußerte sich zurückhaltend: „Obwohl es zunächst aufregend klingt, würde ich sagen, dass es zu früh ist, um zu beurteilen, ob das Molekül letztlich den Entwicklungsprozess durchlaufen und zum Medikament werden kann“, sagte er.

Malaria ist eine der häufigsten Todesursachen der Welt. Schätzungen zufolge fallen der von Moskitos übertragenen Krankheit allein in Afrika täglich 2.000 Kinder zum Opfer.

WELT.de ; 10.01.2007

2006-10-20

Butter vom Präsidenten

Von fstadelmann @ 21:55 [ Default ]

Madagaskar ist das neue Vorbild in Afrika. Seine Wirtschaft wächst, doch die meisten Bürger haben nichts vom Wohlstand.

Zum Frühstück die Butter – von Tiko. Nachmittags ein Eis – von Tiko. Abends der Käse zum Dessert – von Tiko. Das Schild mit diesem Namen hängt überall in Madagaskar, an tausend Läden, Supermärkten, Hauswänden. Tiko ist die Firma des Präsidenten. In seinen zwei Zeitungen kann man nachlesen, wie seine Geschäfte laufen. Sein Radiosender und sein Fernsehkanal MBS informieren über seine Politik. Kein Wunder, dass Marc Ravalomanana gern mit Silvio Berlusconi verglichen wird. Aber da tut man ihm unrecht. Denn er ist kein mafioser Scharlatan, sondern ein ehrlicher Makler, der nur das Beste will für sein Land – und gewiss auch für sein Unternehmen. »Er ist ein Hoffnungsträger«, befand Bundespräsident Horst Köhler, als er seinen Amtskollegen in Madagaskar vor einigen Monaten besuchte.

Ravalomanana sorgt nämlich zur Abwechslung für gute Nachrichten aus Afrika, er bricht mit dem Klischee vom Kontinent der Kriege, Krisen und Katastrophen. In seinem extrem armen Inselstaat geht es bergauf, seit er regiert, die Zahlen belegen es. Die Wirtschaft wächst mit sechs Prozent, die Inflation ist für afrikanische Verhältnisse moderat, Investoren klopfen an. Im Transformationsindex der Bertelsmann Stiftung hat Madagaskar binnen drei Jahren den größten Sprung aller erfassten Länder gemacht: von Rang 60 auf Rang 25! Ein Satz, so groß, dass Optimisten schon von einem afrikanischen Tiger sprechen.

Das ist ein gewagter Vergleich – ganz abgesehen davon, dass es in Afrika keine Tiger gibt. Denn die Mehrzahl der Madagassen spürt nicht viel vom Aufschwung. Drei Viertel der 18 Millionen Einwohner leben unter der Armutsgrenze, das jährliche Pro-Kopf-Einkommen beträgt 320 Dollar. 60 Prozent sind Analphabeten, der Bildungssektor und das Gesundheitswesen, die Infrastruktur und die Verwaltung sind in einem jämmerlichen Zustand.

Ravalomanana ist entschlossen, die Misere zu überwinden. Er liberalisiert das sklerotische Wirtschaftssystem, er privatisiert die maroden Staatsbetriebe und Banken, er arbeitet unermüdlich an seiner Vision, manche sagen, mit manischer Besessenheit. Nur durchschlagende Erfolge wollen sich bislang nicht einstellen, das berühmte trickle down, das Durchsickern der Wachstumsgewinne nach unten zu den Bedürftigen, funktioniert auch in Madagaskar nicht. Die Macht der Traditionen, die Widerwilligkeit der fünfzig herrschenden Familienclans, der kollektive Schlendrian sind stärker. Mora mora heißt seit Menschengedenken das Motto der Insulaner – langsam, langsam.

Etwa alle vier Monate baut der Staatschef sein Kabinett um.
Es sei in dieser Weltgegend eben einfacher, einen Lemuren auszusetzen, als die Lehren des Neoliberalismus anzuwenden, frotzelt ein Entwicklungsexperte im Zoo der Hauptstadt Antananarivo. Er spielte auf den Roten Vari an, den Primatologen in Deutschland nachgezüchtet haben und der sich in seinem ursprünglichen Habitat sichtlich wohlfühlt. Die schöne ökonomische Theorie aus der reichen Wohlstandswelt ist, um in der Sprache der Zoologen zu bleiben, weniger angepasst.

Im Volk mehren sich die Zweifel an den Radikalrezepten, die Ravalomanana importiert hat. Man hört die Menschen klagen, dass das Grundnahrungsmittel Reis immer teurer wird. Dass die Strompreise nach der Privatisierung des staatlichen Energieversorgers Jirama um bis zu 60 Prozent angestiegen sind. Dass auf 10000 Bürger nach wie vor nur zwei Krankenhausbetten kommen. Der in der Fremde so hoch gelobte Staatschef ist daheim also gar nicht mehr so beliebt wie vor fünf Jahren, als er, unterstützt von einer unbeugsamen Volksbewegung, den alten Diktator Didier Ratsiraka in der ersten halbwegs demokratischen Wahl in der Geschichte des Landes stürzte.

Aber je länger die Wende zurückliegt, umso weiter entfernt sich Ravalomanana von den Grundregeln der Demokratie. Im Vorjahr dachte der strenggläubige Christ sogar laut darüber nach, eine Theokratie zu errichten, einen Gottesstaat. Ravalomanana hat ein ehrgeiziges Reformprogramm, es heißt développement rapide et durable, schnelle und nachhaltige Entwicklung. Er will die Misswirtschaft bekämpfen und die Korruption, vor allem aber die Armut. Das meint er absolut ernst, auch seine Kritiker haben keinen Zweifel daran. Das Problem ist nur, dass Ravalomanana seine Mission ganz allein durchziehen will. Der Aufsteiger aus bescheidenen Verhältnissen führt den Staat wie seine Firma, Widerworte mag er nicht. Die kritische Presse nennt er »schwachköpfig«, Demonstrationen der Opposition lässt er verbieten. Wichtige Entscheidungen werden ausschließlich in der Höhenluft des Präsidialamtes gefällt. Vom Parlament scheint der Präsident so wenig zu halten wie von der Exekutive – er baut das Kabinett durchschnittlich alle vier Monate um, allein drei Justizminister hat er bereits verschlissen.

Ravalomanana umgibt sich lieber mit einer Truppe von Vazaha, von ausländischen Beratern; insgesamt 17 stehen in seinen persönlichen Diensten. Freilich hocken die Berater auf einem Schleudersitz, das hat in Madagaskar Tradition. Schon die Königin Ranavalona I. ließ sich im 19. Jahrhundert vom Franzosen Jean Laborde ein industrielles Lohnsklavensystem einflüstern. Das Unternehmen misslang, der Projekteur musste nach Réunion fliehen.

Das war quasi ein erster Globalisierungsversuch auf dem Eiland. Der zweite – unter Ravalomanana – wird kräftig vom Ausland alimentiert. Die Gläubiger haben Madagaskar 836 Millionen Dollar Schulden erlassen, die Weltbank überweist großzügig Kredite, die USA sind ungewöhnlich spendabel, und auch aus der Europäischen Union erhält das Land, gemessen an seiner Größe und Bedeutung, stattliche Zuwendungen. »Madagaskar wird zurzeit mit Geschenken aller Art regelrecht überschüttet«, meint ein Landeskenner.

Selbstverständlich knüpfen die Geber ihre finanzielle und technische Hilfe an Konditionen. Ganz oben steht good governance, kluge, rationale Regierungsführung. Aus der Fernsicht des Nordens erfüllt Ravalomanana dieses Kriterium durchaus. Im Übrigen schauen die Förderer gar nicht so genau hin, sie möchten diesen Mann einfach reüssieren sehen, gescheiterte Reformer und Staatsplünderer gibt es in Afrika schon genug. Vielleicht erfüllt der mit 56 Jahren vergleichsweise junge Staatschef mit seiner expertengestützten Autokratie ihre geheimen Wünsche nach einer sanften Entwicklungsdiktatur? Vielleicht wächst da ein neuer Yoweri Museveni heran, der in Uganda mit seiner »Keine-Parteien-Demokratie« lange Zeit politische Narrenfreiheit genoss, weil er wirtschaftlich einigermaßen erfolgreich war? Oder ist es trotz der wachsenden Vorbehalte einfach wie im Schachspiel der internationalen Entwicklungsindustrie: pièce touchée, pièce jouée – die berührte Figur muss auch gezogen werden?

Die Weltbank jedenfalls hat drei »Wachstumsbranchen« identifiziert, die nun unterstützt werden. Um die Hauptstadt Antananarivo herum sollen Gewerbeparks entstehen, die Landwirtschaft soll gefördert und der Tourismussektor ausgebaut werden. Zudem hofft das Land auch weiterhin auf Exporte von Kleidung und Textilien – obwohl dort Konkurrenz aus Indien und China droht. Deren Arbeiter verdienen zwar doppelt so viel wie ein Madagasse, aber die Größenvorteile asiatischer Standorte gleichen das wieder aus. Bleibt der Bergbau: Hier haben britische, kanadische und japanische Firmen bereits eine knappe Milliarde Dollar unter anderem in den Abbau von Kupfer und Kobalt investiert. Geht alles gut, könnten die Ausfuhrerlöse Madagaskars aus dem Bergbau bis 2010 auf über 500 Millionen Dollar im Jahr steigen.

Vorbehaltlos unterstützt wird Ravalomanana von seinen ausländischen Partnern auch beim Umweltschutz. Madagaskar ist schließlich ein Testfeld für die Glaubwürdigkeit des Prozesses, der 1992 beim Erdgipfel in Rio eingeleitet wurde. Kein anderer Staat der Welt weist eine größere Vielfalt von endemischen Arten auf, und vermutlich ist in keinem anderen die Biodiversität so akut bedroht durch die Not der Armen und die Gier der Reichen.

Von der ursprünglichen Inselvegetation existieren nur noch zehn Prozent, weite Gebiete sind kahl und haben sich in erodierende Kiesgrubenlandschaften verwandelt, die Restwälder sehen vielerorts wie zerfranste Bettlerröcke aus. Brandrodung, Brennstoffentnahme, Holzeinschlag – es ist der global übliche Raubbau, allerdings im Zeitraffer. Aber die Regierung Ravalomanana gelobt, ihre »Arche Noah« mit der Hilfe internationaler Umweltschutzorganisationen zu retten. Wie kompliziert das ist, zeigte sich bei einem Ausflug zum Nationalpark Ankarafantsika, der sich mit deutschen Geldern und deutschem Know-how zu einem vorbildlichen Naturschutzprojekt entwickelt hat. Da spazierte bei der Besichtigung der Lemuren und Chamäleons ein kleiner silberhaariger Herr im Schatten von Marc Ravalomanana durch den Trockenwald. Man sagt ihm nach, er sei in illegale Geschäfte mit Tropenholz verwickelt. Der Herr heißt Charles Sylvain Rabotoarison. Er ist, nun ja, der Umweltminister von Madagaskar.

DIE ZEIT, 19.10.2006, von Bartholomäus Grill


Madagaskar: Fleischfressende Pflanzen und ein heiliger Friedhof

Von fstadelmann @ 10:50 [ Default ]
Unterwegs zum Schutzgebiet der RESERVE BERENTY in Madagaskar.

Berge treten hervor. Wir steigen und fahren auf rostigen Brücken über breite Flüsse. Bei einem Feuchtgebiet erster Halt. Hier sollen Kannenpflanzen zu finden sein. Wir umwandern eine sumpfige Wiese mit niederem Gehölz und harten Blattpflanzen, die rosa Blümchen, den fleißigen Lieschen ähnlich hervorbringen, bleiben an Wurzeln hängen, haben die Schuhe voll Matsch und wollen schon aufgeben, als endlich einer die erste Kanne entdeckt. Gelb reckt sie sich über gewundenem Stiel empor. Das Deckelchen drüber ist offen, schützt aber das Innere vor Regen.

Da, wo die erste Pflanze entdeckt wurde, finden wir mehr und mehr. Einige sind rot gesprenkelt, aber alle zeigen die gleiche Form, elegante Kelche, die mit Farbe und Geruch kleine Insekten anlocken. Wenn die dort landen, ist es um sie geschehen. Die vermeintliche Blüte ist eine Falle. Die Wände der sich geziös erhebenden Gebilde sind feucht und glitschig. Kein Tierchen kann mehr entweichen, rutscht zurück in die wässrige Flüssigkeit des Kelchbodens, in den die Wände ein Verdauungsenzym senden, das die Insekten tötet und auflöst. Die Kelche nehmen das Verdaute auf und decken so den Stickstoffbedarf der Pflanze.

Unsere Nepenthes madagascariensis klettert an anderen Pflanzen empor und treibt aus einzelnen Blattrippen in lockender Farbe zarte Gewinde, die sich als Scheinblüten öffnen. Sie bestehen aus raffiniert umfunktionierten Blättern. Die echten Blüten sind winzig und unscheinbar. Wir finden sie nicht. Viel interessanter ist’s, in die Kelche hineinzuschauen. Beim Zurückdrücken der Deckelchen finden wir in einigen Kelchen kleine Insekten, die nur noch schwer zu erkennen sind. Fotos sind hier Programm.

Dann geht unsere Fahrt weiter – durch Reisfelder und Mangoplantagen. Nächster Stop dann im Gebiet der A n t a i s a k a, einem kleinen afroasiatischen Volk von ca. 380 000 Seelen. Sie leben in dicht zusammengedrängten Dörfern und errichten ihre Häuser auf Pfählen. Viele ihrer arbeitsfähigen Männer verdingen sich als Lohnarbeiter in anderen Teilen der Insel. Von dem Verdienst dort schaffen sie Rinder an, ehe sie nach Hause zurückkehren. Rinder bedeuten Ansehen. Ansonsten leben die Antaisaka vom Reisanbau und betreiben einen besonderen Begräbniskult zu Ehren ihres Königs.

Wir halten in der Nähe eines Friedhofs mit steinernen und hölzernen Erinnerungspfählen. Dies ist ein Mahafalé, ein heiliger Ort der endgültigen Grabniederlegung. Die Toten werden zweimal beerdigt, zuerst provisorisch irgendwo, dann zwei oder drei Jahre später hier, wo in der Zwischenzeit ihre Stele errichtet wurde. Dem Ausgegrabenen wird in einer Art Prozession noch einmal seine Heimat gezeigt, ehe er sein endgültiges Grab findet.

Wir fragen Gérard, unsern einheimischen Führer, nach solch einer Prozession. Hat er die selbst schon erlebt? „Einmal,“ antwortet er entsetzt, hält sich die Nase zu und schüttelt sich. Als studierter Mann ist er diesem alten Kult längst entwachsen.

Die Grabstelen erzählen immer etwas aus der Geschichte des Verstorbenen. Es gibt stehende und sitzende Figuren, Handwerker, Bewaffnete, einer trägt einen Rucksack und einmal wird gezeigt, dass der Beerdigte von einem Krokodil angefallen wurde. Auch andere Tiere sind zu sehen, vor allem Rinder. Alles ist liebevoll geschnitzt, teilweise sogar überdacht. Wir Fremden dürfen nicht zwischen die Stelen treten, nur vom äußeren Rund her fotografieren.

RP Online, von Gisela Gebhard, 20. Oktober 2006

2006-10-18

Goldfrösche locken Besucher in Zürcher Zoo

Von fstadelmann @ 17:15 [ Default ]

Den Madagassischen Goldfröschchen gefällt es im Zoo Zürich. Denn sie gedeihen prächtig. Weniger gut geht es anderen bedrohten Amphibienarten, wie anlässlich einer Medienorientierung in Zürich zu erfahren war. Nicht nur kleine Besucherinnen und Besucher drücken sich an der Terrarium-Scheibe der Madagassischen Goldfröschchen im Zoo Zürich die Nase platt - in der Hoffnung, die kleinen Fröschchen besser zu sehen. Gross ist die Freude, wenn sich einer der knapp zwei Zentimeter grossen orangefarbenen Quaker zeigt. In der Natur sind Goldfröschchen nur in einem rund zehn Quadratkilometer grossen Gebiet in der Nähe der Ortschaft Andasibe in Madagaskar zu sehen. Aber ihr Lebensraum sei bedroht und stehe nicht unter Schutz, sagte Zoo-Direktor Alex Rübel. Die Frösche im Zoo Zürich sind Nachzuchten und stammen hauptsächlich aus dem Aquarium in Genua. «Es scheint ihnen bei uns zu gefallen», sagte Kurator Samuel Furrer. «Die Männchen quaken häufig und überzeugen so die Weibchen von ihren Qualitäten.» Bereits seit zehn Jahren erfolgreich ist der Zoo Zürich bei der Aufzucht des Schrecklichen Pfeilgiftfrosches. Das Zuchtbuch des Blauen Pfeilgiftfrosches wird gar in Zürich geführt. Ziel ist es, den Bestand europaweit langfristig zu sichern. Frösche werden zwischen Zoos ausgetauscht, um die genetische Vielfalt zu sichern. Gemäss Rübel ist rund ein Drittel der 6000 bekannten Amphibienarten vom Aussterben bedroht. Innert kurzer Zeit seien bereits 120 Arten ausgestorben. «Die Erhaltung von Hunderten von Amphibienarten ist die grösste Herausforderung im Artenschutz, der die Menschheit je gegenüberstand», sagte der Zoo-Direktor.
sda, 18. Oktober 2006


Posts  1 - 10 /53